Blaue Donau

Aus Presseclub Potsdam
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Einstiges Hochmoorgebiet, das durch die Bauern in der Umgebung als Torfstich, das heißt zum Abbau von Torf für die Verwendung als Heizmaterial, genutzt wurde. Für die Bauern aus Tätzschwitz ist diese Form der Nutzung schriftlich dokumentiert. Vermutlich holten sich hier auch die Bauern der Bauermühle und aus dem Dorf Laubusch ihre Torfbriketts.

Ein vollständiger Abbau des Torfs durch die Bauern erfolgte nicht, so dass die später hier ansässige Gärtnerei Kunick auf diesen Schatz für die Bodenverbesserung zum Anbau ihrer Pflanzen sowie für den Verkauf zurück greifen konnte. In den noch verbliebenen Resten des einstigen Moores sammelten sich die Industrieabwässer des Kraftwerks sowie des Chemiewerks bzw. Aluminiumwerks, die entweder aus den im Werksgelände befindlichen Teerteichen versickerten oder gezielt über das sarkastisch als "Blaue Donau" bezeichnete Feuchtgebiet in den Schleichgraben abgeleitet wurden.


Sanierungsmaßnahmen

1993 bis 2000

Von 1918 bis 1968 arbeitete auf dem Gelände des Lautawerkes ein auf Braunkohlenbrikettbasis arbeitendes Gasgeratorenwerk. Es belieferte verschiedene Bereiche der Aluminiumfabrik mit Generatorgas. Zur Entspannung des Gases vor dessen Einsatz wurden im Nordosten des Werksgeländes Teerteiche angelegt. "Die Einleitung von Abwässern aus der Gasgeneratorenanlage in ungedichtete Erdbecken führte auf einer Fläche von ca. 9 ha zu Boden- und Grundwasserbelastungen durch die gaswerktypischen Schadstoffe Phenol, MKW, PAK und BTEX." Bei Erkundungsuntersuchungen in Verbindung mit der Liquidation des Lautawerkes waren Schadstoffe – Phenol, Mineralölkohlenwasserstoffe (MKW) Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Benzen-Toluen-Etylbenzen-Xylen (BTEX) und Cyanide – in hohen Konzentrationen ermittelt worden.


Besonders betroffen war das tiefer gelegene Gebiet der so genannten "Blauen Donau".

"Das im Grundwasserabstrom der Teerteiche befindliche öffentlich zugängliche und z. T. bewohnte Gebiet der Blauen Donau ist durch flurnahe Grundwasserstände gekennzeichnet. Der hohe Wasserstand führte zur Ausbildung von Vernässungsbereichen und zu Geruchsbelästigungen. Durch die Verfrachtung der gaswerktypischen Schadstoffe ist ein großflächiger Grundwasserschaden eingetreten.


1991/1992 entstand ein 2.500 m langes Dränagesystem und die bislang offenen Gräben wurden verrohrt. 1993 wurde das Lautawerk zum Ökologischen Großprojekt (ÖGP) des Freistaates Sachsen erklärt. "Die Finanzierung der Gefahrenabwehrmaßnahmen erfolgte durch den Bund und den Freistaat Sachsen aus Mitteln der Altlastenfreistellung mit unterschiedlichen Eigenanteilen der Grundstückseigentümer entsprechend Freistellungsbescheid." Aus vier Teilbereichen setzte sich das ÖGP zusammen: Teerteiche, Blaue Donau, Rotschlamm-Restloch, Werksgelände.

Für die Umsetzung der Maßnahmen war das eigens dazu geschaffene Projektmanagement ÖAGP Lautawerk mit Sitz Lauta, Straße der Freundschaft 92 zuständig. ÖAGP war die Abkürzung für Ökologisches Altlastengroßprojekt. Geleitet wurde das Projektmanagement von Manfred Rüster. Ihm zur Seite gestellt wurde die Arcadis Deutschland GmbH, ein internationaler Anbieter von Beratungs-, Projektmanagement- und Ingenieurleistungen in den Bereichen Infrastruktur, Wasser, Umwelt und Immobilien. Karsten Voigt von der ARCADIS Consult GmbH Leipzig war der für das Lautawerk zuständige Projektmitarbeiter.

1995 wurde eine Wasserreinigungsanlage in Betrieb genommen.


2001 bis 2007

"Im Zeitraum 08/2002 bis 06/2005 wurden im Rahmen der Quellensanierung ca. 240.000 t belastetes Material entnommen und der Verwertung bzw. Beseitigung zugeführt. Die sanierte Fläche wurde zur industriell-gewerblichen Nutzung freigegeben und eine Photovoltaikanlage errichtet." Teere und kontaminierter Boden waren entsorgt worden.

Im Sommer 2005 wurde die Sanierung der Teerteiche als beendet angesehen.

Johannes Lichdi, Abgeordneter der Fraktion Bündnis90/Die Grünen im Sächsischen Landtag, richtete zu diesem Thema am 30. Dezember 2005 eine Kleine Anfrage an die Regierung des Freistaates Sachsen.

Der damalige Sächsische Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft, Stanislaw Tillich, übersandte mit Datum 30. Januar 2006 die Antwort auf die von Lichdi gestellten Fragen.


Nach Meinung des Staatsministeriums waren die sanierten Teerteiche nicht "allein die Ursache für die Kontaminierung des Grundwassers".


"Die Grundwasserkontamination im Gebiet der Blauen Donau wurde zwar primär durch den belasteten Anstrom aus dem Teerteichareal veursacht. Aktuelle Untersuchungen weisen aber darauf hin, dass ein Eintrag teeröltypischer Schadstoffe im Bereich der Blauen Donau selbst zu weiteren deutlichen Bodenkontaminationen geführt hat. Diese Bodenkontaminationen sind nach gegenwärtigem Kenntnisstand als eigenständige Schadherde zu betrachten. Über die genaue Lage, das Ausmaß und das Schadstoffpotenzial dieser Schadherde liegen bisher noch keine fundierten Erkenntnisse vor. Hierzu sind weitere Erkundungen erforderlich und derzeit in Planung. Damit spiegelt die Belastungssituation des Grundwassers und des Drainagewassers in der Blauen Donau neben dem Schadstoffzustrom aus dem Teerteichareal auch den Schadstoffaustrag aus den weiteren anzunehmenden Kontaminationsherden in der Blauen Donau wider."


Es gibt keinen schriftlichen und der Öffentlichkeit zur Kenntnis gegebenen Hinweis darauf, dass die von Stanislaw Tillich angekündigten weiteren und "derzeit in Planung" befindlichen Untersuchungen durchgeführt wurden.

2007 wurde die zwölf Jahre zuvor in Betrieb genommene Wasserreinigungsanlage abgeschaltet. Die Einstellung ihrer Arbeit erfolgte "nach Unterschreitung der Einleitwerte".

In einer im Jahr 2014 veröffentlichten Bestandsaufnahme zur Altlastensanierung im Freistaat Sachsen heißt es zu weiter durchzuführenden Aktivitäten:

  • "Ein begleitendes Grund- und Oberflächenwassermonitoring wird jährlich durchgeführt."
  • "Zur Bewertung des Luftpfades und zur Absenkung des Grundwasserstandes im Bereich angrenzender Wohnbebauungen erfolgen gegenwärtig detaillierte Untersuchungen."

2013/2014 gab es Luftschadstoffmesungen an verschiedenen Stellen des Altlastengebietes "Blaue Donau".

Auf eine dazu verfasste Kleine Anfrage der Abgeordneten der Fraktion Bündnis90/Die Grünen im Sächsischen Landtag, Franziska Schubert, vom 11. November 2015 antwortete am 1. Dezember 2015 der Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft, Thomas Schmidt, unter anderem:

"Das abschließende Gutachten hierzu wird erst Ende des Jahres 2015 vorliegen. Zur Absicherung und besseren Bewertbarkeit der Befunde wurde eine einzelstoffliche Untersetzung in einer zusätzlichen Messkampagne erforderlich, die erst jetzt abgeschlossen werden konnte. Vom Gutachter TÜV SÜD werden zurzeit der Umfang gegebenenfalls notwendiger lnstandsetzungsmaßnahmen der Kontrollschächte der Dränage in der Blauen Donau (Anlage zur Fassung und Ableitung von oberflächennah anstehendem Grundwasser) und die Ausstattung vorhandener Entlüftungen mit einer Abluftbehandlung diskutiert. Eine Entscheidung über die konkret erforderlich werdenden Maßnahmen erfolgt voraussichtlich im ersten Halbjahr 2016."