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- 4.5.2011: Mieterverein Potsdam: Gefahr der Diktatur zunächst gebannt
- 13.1.2009: Infobrief für Vereine und Chronisten
- 5.5.2008: Potsdam - über 13 Brücken erreichbar
- 27.4.2008: Aufruhr in "Klein Holland"
- 15.4.2008: Das Neueste vom Immobilienmarkt?
- 11.4.2008: "Linke Barbarei" bei Stadtschlossabbruch
- 9.4.2008: Potsdams Ersterwähnung
- 9.4.2008: Gartenstadt zwischen Tradition und Moderne
- 9.4.2008: Eine Stadt zum Leben
Potsdam - über 13 Brücken erreichbar
5.5.2008 von Dr. Volker Punzel.
Die historischen Quartiere der Stadt Potsdam, d.h. die zwischen der Ersterwähnung Potsdams im Jahr 993 und dem Ende des 19. Jahrhunderts entstandenen Bauten, liegen auf einer Insel. Einmal um die Insel herum fahren zu wollen, bedeutet sich auf eine Strecke von rund 30 Kilometer einstellen zu müssen. Den größten Teil der Strecke fährt man auf der Havel, die als Fluß aber nicht erkennbar ist. Sie kann sich über eine so große Fläche zwischen den sich über die Insel entlang ziehenden Endmoränenhügelketten ausbreiten, dass sie zahlreiche Seen bildet. Von der Glienicker Brücke in Richtung Westen ist zunächst der Tiefe See zu durchqueren, nach einzelnen Flusszwischenabschnitten folgen der Templiner See, der Schwielowsee, der Große Zernsee, die Wublitz, der Schlänitzsee, der Sacrow-Paretzer Kanal, der Fahrlander See, Weißer See und der Jungfernsee.
13 Brücken verbinden die Insel Potsdam und das “Festland”. Die Glienicker Brücke, die Humboldtbrücke, die Lange Brücke, die Eisenbahnbrücke über den Templiner See, die Eisenbahnbrücke über das Caputher Gemünde bei Caputh, die Baumgartenbrücke zwischen Geltow und Werder (Havel), die Eisenbahnbrücke über den Großen Zernsee zwischen Wildpark-West und Werder (Havel), die Wublitzbrücke bei Grube, die Fußgängerbrücke bei Nattwerder, die Eisenbahnbrücke bei Marquardt, die Straßenbrücke über den Sacrow-Paretzer Kanal auf der B 273 bei Marquardt und die Brücke des Friedens bei Neufahrland. Zwei Fähren - die Autofähre über das Caputher Gemünde sowie die Personenfähre vom Kiewitt zur Insel Hermannswerder - ergänzen die Verbindung mit dem Festland.
Das Wasser umspült nicht nur die Insel Potsdam, sondern ist im gesamten Stadtgebiet reichlichst vorhanden. 11 Prozent der Fläche Potsdams, das sind 20 Quadratkilometer, sind vom Wasser belegt. 83 Kilometer lang ist die Summe der Uferlinie aller im Stadtgebiet Potsdams befindlichen Gewässser.
Die Insellage brachte und bringt Potsdam Vorteile, aber auch Nachteile. Unbestritten sind die sich daraus ergebenden Vorteile für den Tourismus, in der Frühphase der Entwicklung Potsdams bot die besondere Lage aber auch Vorteile für die militärische Sicherung der Stadt sowie für die Einnahme von Steuern. Diese wurden sowohl von den auf dem Wasserwege kommenden Reisenden und Händlern kassiert als auch von denen, die auf dem Landweg Potsdam querten. Zwei der bedeutendsten deutschen Fernreise- bzw. -handelswege verlaufen über der Insel Potsdam. Das sind die Bundesstraße 1 und die Bundesstraße 2.
Die Bundestraße 1 liegt im Verlauf der ehemaligen Reichsstraße 1. Diese führte bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges über eine Länge von 1392 km von Aachen über Jülich, Düsseldorf, Essen, Dortmund, Soest Paderborn, Hameln, Hildesheim, Braunschweig, Magdeburg, Potsdam, Berlin, Altlandsberg, Küstrin, Landsberg (Warthe), Konitz, Dirschau, Elbing, Braunsberg, Königsberg, Insterburg und Gumbinnen bis nach Eydtkuhnen an der damaligen deutsch-litauischen Grenze. Sie war die längste je existierende deutsche Straße.
Die Bundesstraße 2 liegt im Verlauf der ehemaligen Reichsstraße 2, die an der deutsch-österreichisvchen Grenze bei Mittenwald beginnt und heute an der deutsch-polnischen Grenze bei Schwedt (Oder) endet. Bis 1945 führte sie weiter nach Stettin und von dort weiter über Köslin durch den ab 1918 polnisch-kaschubischen Korridor nach Danzig und weiter bis an die Weichsel bei Dirschau (heute Tczew).
Aus der Tatsache, dass die Insel von den Bundesstraßen 1 und 2 gequert wird, ergeben sich aber auch die größten Nachteile für die Stadt. Die verkehrstechnischen Probleme führen immer wieder zu Bauarbeiten an den Brücken sowie auf der Insel selbst. Geichzeitig bringen sie stets neuen Stoff für Diskussionen, so z.B. für die über den Bau eines dritten Havelüberganges (der eigentlich ein vierter wäre) oder für die über die Notwendigkeit des Baus einer Innerstädtischen Entlastungsstraße (ISES). Zugleich wurden die verkehrstechnischen Probleme als Argument mit herangezogen, als es 1959 um die Beseitigung der Ruinen des Potsdamer Stadtschlosses ging oder 1968 im Zusammenhang mit der Sprengung der Ruine der Potsdamer Garnisonkirche sowie mit der Neugestaltung der Breiten Straße.
Die Insellage bietet in verkerstechnischer Hinsicht aber auch Vorteile. So könnte die Stadt Potsdam ihren Etat enorm aufbessern, wenn sie von den über die Brücken kommenden Fahrzeugen Maut verlangen würde. Man könnte dies ja zunächst auf Lkw und Fernreisebusse beschränken.
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Aufruhr in “Klein Holland”
27.4.2008 von Dr. Volker Punzel.
Eine neu gegründete Interessengemeinschaft Holländisches Viertel e.V. “will Handel, Gewerbe und Gastronomie im historischen Karree unterstützen und dabei auch die dort ansässige Kultur stärken”. Werbung und Veränderungen seien dringend nötig, so der Vereinsvorsitzende Marten Klinger. Einige Händler stünden mit dem Rücken an der Wand, weil der Umsatz nicht ausreiche. Nun könnte jene Händler bemitleiden, die geschäftliche Probleme haben. Doch das ist nicht erforderlich. Und auch die Notwendigkeit eines neuen Vereins wird nicht nur von Außenstehenden angezweifelt, sondern auch von im Holländischen Viertel ansässigen Gewerbetreibenden.
Es gibt in Potsdam kein zweites Geschäftszentrum, in dem so exklusive Rahmenbedingungen für den Handel herrschen, wie im Holländischen Viertel. Schon seit der zweiten Hälfte der 90er Jahre können die Geschäftsleute sieben Tage in der Woche ihre Produkte an die Frau oder den Mann bringen. Als “touristischer Bedarf”, der auch an den Wochenenden und zu den Feiertagen verkauft werden darf, zählen hier ebenfalls Bekleidung oder Einrichtungsgegenstände für die Wohnung. Einmal im Jahr, zum Tulpenfest, wird das Holländische Viertel weiträumig abgesperrt und nur gegen Zahlung einer Eintrittsgebühr ist der Wochenendeinkauf gestattet. Zweimal jährlich, im Frühling und im Herbst, findet in der Mittelstraße ein Töpfermarkt statt. Und im Dezember jeden Jahres reitet Sinterklaas auf seinem weißen Schimmel zur Holländischen Weihnacht in Potsdam ein.
Darüber hinaus wird jede Touristengruppe, die Potsdam besucht, auch durch das Holländische Viertel geführt. Und das einzigartige Beispiel niederländischer Baukunst des 18. Jahrhunderts außerhalb der Niederlande wird in jedem Reiseführer und in den Medien deutschlandweit und international beschrieben. Und nun fordert ein Herr Marten Klinger, beruflich als Anzeigenberater für die Potsdamer Neuesten Nachrichten tätig, mehr Werbung.
Wenn ein Gewerbetreibender geschäftlich nicht erfolgreich ist und er schon gute Rahmenbedingungen hat, um seinem Geschäft nachzugehen, liegt es doch wohl an ihm. Wenn es einem Geschäftsmann auch nach Jahren Geschäftstätigkeit nicht gelungen ist, sich einen stabilen Kundenstamm aufzubauen, so liegt es doch wohl in erster Linie an ihm. Und wem es nicht gelingt, sich von der in großen Scharen durch das Holländische Viertel laufenden Kundschaft, sich seinen Teil an Kunden zu sichern, der sollte sein Geschäftsgebaren überprüfen und nicht die Zeit mit dem Singen von Klageliedern vergeuden.
Nun hat sich aber eine Interessengemeinschaft gegründet und da sie sich nun schon einen Vorstand gegeben und auch das Vereinsregister mit dem Eintragen des Vereins belästigt hat, sollte sie nun etwas tun. Doch die Vorstandsmitglieder wissen vermutlich nicht, worin ihr Tun bestehen könnte. Zu sehr waren sie offensichtlich damit beschäftigt, ihr Ego zu pflegen und den öffenlichkeitswirksamen Auftritt der letzten Woche vorzubereiten, als sich mit der aus Kleinarbeit bestehenden Situationsaufarbeitung im Holländischen Viertel zu befassen und daraus Schlußfolgerungen für zu bewältigende Aufgaben abzuleiten. Das einzige, was sie uns anbieten können lautet: Anwohnerparken raus aus dem Holländischen Viertel.
Und bezüglich des Anwohnerparkens gleiten die Ankündigungen der IG Holländisches Viertel ins Lächerliche ab. Es ist noch nicht sehr lange her, dass die Gewerbetreibenden der Innenstadt und auch die des Holländischen Viertels von der Stadtverwaltung gefordert hatten, möglichst freizügig mit dem ruhenden Verkehr umzugehen, sowohl mit den Autos der Kunden als auch mt denen der Anwohner. Alle Hinweise auf die vom ruhenden Verkehr ausgehenden Belästigungen und auf die Alternative “Parkhaus” waren immer wieder mit dem Hinweis abgeschmettert worden, dass der Kunde möglichst nah an den Geschäften mit seinem Auto zum Stehen kommen wolle und es ihm nicht zugemutet werden könne, die Einkäufe vom Geschäft zum Parkhaus zu tragen. Gewerbetreibende, die der Meinung der Stadtverwaltung bezüglich einer Verkehrsberuhigung gefolgt waren, hatten keinen leichten Stand.
Die Führung der neu gegründeten Interessengemeinschaft wäre nicht nur hinsichtlich der Verkehrsfragen gut beraten gewesen, sich mehr mit der Geschichte der jüngsten Zeit im Holländischen Viertel zu befassen, sondern auch in Bezug auf die von den Gewerbetreibenden selbst entwickelten Vereinsaktivitäten. Denn bereits Ende 1994 war im Holländischen Viertel eine Interessengemeinschaft ins Leben gerufen worden, die “Interessengemeinschaft der Gewerbtreibenden im Holländischen Viertel” (IG Holländisches Viertel).
Pressebeiträge über die Gründung der IG Holländisches Viertel:
- Märkische Allgemeine Zeitung vom 26. April 2008
- Potsdamer Neueste Nachrichten vom 26. April 2008
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Das Neueste vom Immobilienmarkt?
15.4.2008 von Dr. Volker Punzel.
Was war die Nachricht, die Volkmar Klein den Lesern der MAZ am 15. April 2008 auf S. 13 übermitteln wollte? “Die geringe Wohnungsbautätigkeit in Potsdam wird sich in beschleunigt steigenden Mieten und Kaufpreisen niederschlagen. Zwischen jährlich 2,2 und 2,5 Prozent Anstieg prognostiziert das Wirtschaftsforschungsinstitut Feri Rating & Research für alle Segmente des Wohnungsmarktes. … Bei neuen Wohnungen werde sich die durchschnittliche Nettokaltmiete bis 2009 auf 7,10 Euro je Quadratmeter erhöhen. Bei Altbauten werde sie auf 5,70 Euro steigen.” Nun gut, wieder hat ein Unternehmen festgestellt, dass die Mieten in Potsdam steigen werden. Das hat aber Wolfgang Jöntgen, Immobilienexperte im Vorstand der Mittelbrandenburgischen Sparkasse bereits in “FOCUS” 12/2008, S. 70, festgestellt. Angesichts der über dem aktuellen Angebot an Wohnraum hinaus gehenden Nachfrage erwartet er “überwiegend steigende Mieten und Kaufpreise”. Die aktuellen Preise für eine Eigentumswohnung in Potsdam gibt FOCUS im gleichen Heft mit 1.030 EURO (einfache Lage), 1.340 EURO (mittlere), 2.020 EURO (gehobene) und 3.160 EURO (sehr gehobene Lage) je Quadratmeter an. Die Immobilienspezialisten von Feri Rating bezifffern sie für 2008 mit 1.746 Euro und für 2016 mit 2.100 Euro je Quadratmeter. Für welche Lage diese Preise gelten, ist aus dem MAZ-Beitrag jedoch nicht zu erfahren.
Das ist auch logisch, denn Volkmar Klein hatte offensichtlich nur die Pressemitteilung von Feri Rating & Research zur Verfügung. Und die sollte nicht zuviel verraten, sondern lediglich das Interesse an Mehr wecken. Dieses Mehr-Wissen ist auch zu haben, aber nicht preiswert. Wer das Immobilienmarkt-Dossier über Potsdam (Stand: 31.3.2008) sein Eigen nennen will, muss 1.500 Euro hinblättern. Also dann los, und das Dossier erworben. Denn das war die Nachricht, die Feri Rating eigentlich übermittelt sehen wollte.
Vielleicht muss man soviel Geld aber nicht hinblättern, um sich zu informieren. Vielleicht ist es besser, sich vor Ort zu informieren. Denn die einheimischen Immobilienspezialisten leben vielfach in diesem Markt und tagtäglich mit ihm. Und die sollten doch wohl besser in der Lage sein, konkretere Auskunft zu geben, als ein in Bad Homburg, Paris, London und New York ansässiges Unternehmen.
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