Keinem Menschen auf der Welt, keiner Nation und keinem Staat würde es – ohne Wenn und Aber – verübelt, wenn sie „Ich bin stolz, ein … zu sein!“ in ihrem Land oder außerhalb seiner Grenzen, einzeln oder kollektiv, mehr oder weniger lautstark verkünden würden. Es würde ihnen auch nicht verübelt, wenn diese öffentliche Bekundung von Liedern, Gedichten oder schwenkenden Fahnen sowie vom Zeigen von Symbolen begleitet würde.

Folklore, würde es heißen. Egal, was für Lieder angestimmt wurden oder welche Fahnen bzw. Symbole zu sehen waren.

Aber was passiert, wenn dies ein Deutscher macht?

In der überwiegenden Zahl der Länder auf unserem Erdball würden sich die dort lebenden Menschen nicht aufregen und verhalten, wie oben beschrieben. Sie mögen es, wenn Menschen auf etwas stolz sind und dies auch zum Ausdruck bringen. Sie mögen niemanden, der sich und seine Herkunft verleugnet, in dem Glauben, seinen Gastgebern gefallen zu wollen. Weil sich in einer derartigen Selbstverleugnung etwas Falsches verbirgt und dies wiederum für den Gegenüber „Gefahr“ assoziiert.

Es gibt kein Volk auf der Erde, das so viele Nachbarn hat. Und mit ihnen allen leben wir in Frieden, seit nunmehr 68 Jahren. Und darauf können wir stolz sein.

Trotz in der Geschichte immer wieder unternommener Versuche, die deutsche Sprache oder das, was man darunter verstand, zu unterdrücken oder sie nicht zur Entwicklung kommen zu lassen, verfügen wir heute über ein sprachliches Erbe, auf das wir stolz sein können. Für über 105 Millionen Menschen ist sie die Muttersprache. Rund 80 Millionen Menschen verwenden sie als Zweit- oder Fremdsprache. In zahlreichen international gesprochenen Sprachen gibt es Wörter, die dem Deutschen entnommen wurden.

Auch darauf können wir stolz sein!

Deutschland hat eine geografische Lage – mehr oder weniger ohne unser eigenes Zutun –, die uns die Folgen des Klimawandels erträglicher sein lässt und uns vor wirklichen Naturkatastrophen bewahrt. Was ist, zum Beispiel, Hochwasser an Elbe oder Rhein im Vergleich zu den Hochwassern in Indien oder Neuseeland? Erdbeben, die ganze Landstriche unbewohnbar machen?

Auf diese geografische Lage können wir stolz sein und auch auf die sich daraus ergebenden natürlichen Gegebenheiten.

Deutschland kann sich auf eine über 1.200 Jahre zurück reichende Geschichte berufen. Und auf diese stolz sein. 16 Jahre davon sind es nicht!

Wobei es hauptsächlich die 10 Jahre sind, in denen Deutschland mit daran beteiligt war (1. Weltkrieg) oder Initiator (2. Weltkrieg), Europa und andere Teile der Welt mit Krieg zu verheeren. Die sechs Jahre (1933 bis 1939) nationalsozialistischer Diktatur spalten die Deutschen, was ihre Bewertung anbelangt. Dass die Spaltung 78 Jahre nach dem Ende dieser Diktatur noch immer besteht, darauf können wir nicht stolz sein.

Es gab eine Zeit, da gehörten die Deutschen in Wissenschaft und Technik zu den führenden Nationen der Erde. Viele Länder profitierten von diesen Leistungen und dieser Leistungsfähigkeit oder nahmen sich daran ein Beispiel.

Darauf können wir stolz sein!

In seiner über 1.200-jährigen Geschichte hat Deutschland vier Politiker von internationalem Format und bis heute ausstrahlender positiver Bedeutung hervorgebracht: Martin Luther, Karl Marx, Friedrich Engels, Otto von Bismarck.

Auf diese vier können wir stolz sein. Darauf, dass es nur vier waren und sind, nicht!

Adolf Hitler, den Menschen in Deutschland und international verehren, war Österreicher (!). Er hat Deutschland, seiner Geschichte, den Menschen und der Zukunft des Landes irreparablen Schaden zugefügt.

Deutsche modernisierten im 18. und 19. Jahrhundert Monarchien. Deutsche standen im 19. Jahrhundert an der Wiege moderner, demokratischer Staaten, wie den USA.

Darauf können wir stolz sein!

Auf Deutschlands Kolonialpolitik in Afrika und China können wir nicht stolz sein. Wobei Deutschland in den Kolonien so wie auch andere große Kolonialmächte agierte.

Den Deutschen wurde über die Jahrhunderte beigebracht, sich unterzuordnen und ohne Diskussion allem und jedem zu folgen. Die Mehrheit der Deutschen funktioniert so noch heute. Darauf können wir nicht stolz sein!

Alle, die sich nicht einordnen wollen (darauf können und sollten wir stolz sein), werden verunglimpft, gejagt und – wenn alles nicht hilft – per Berufsverbot ins soziale Abseits getrieben. Darauf kann niemand in diesem Land, auch wenn er noch so folgsam ist, stolz sein.

Nachtrag:
Es gibt offensichtlich kein Land auf der Welt, das sich für demokratisch oder modern hält, in dem es so umfassende Flaggen-, Symbol- und Schrift-/Liedgutverbote gibt, wie in Deutschland.

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