
Es ist nicht immer einfach, Antworten auf drängende bzw. bedrängende Fragen zu erhalten. Meistens fehlen dazu die kompetenten Gesprächspartner. Verfügen sie über Kompetenz, verbietet es ihnen Angst vor der eigenen Courage, ehrliche Antworten zu geben. Also greift der wissbegierige Mensch auf die Hilfe eines unabhängigen Mediums zurück, die Künstliche Intelligenz.
Kann ein Mensch extrem rechts denken und trotzdem Demokrat sein?
Ja, das geht – kommt aber drauf an, was du mit „extrem rechts denken“ und „Demokrat sein“ genau meinst.
Kurzfassung:
| Begriff | Bedeutung | Geht das zusammen? |
| Extrem rechts denken | Politische Positionen weit rechts: z.B. starker Nationalismus, autoritäre Gesellschaftsordnung, Ablehnung von Migration, Misstrauen gegenüber Parlamentarismus | Ja, solange es beim „Denken“ bleibt |
| Demokrat sein | Grundprinzipien der Demokratie akzeptieren: freie Wahlen, Gewaltenteilung, Meinungsfreiheit, Rechtsstaat, Minderheitenschutz | Ja, wenn diese Prinzipien anerkannt werden |
| Rechtsextrem handeln | Demokratie aktiv abschaffen wollen, Gewalt anwenden, Grundrechte für bestimmte Gruppen abschaffen | Nein, dann ist man kein Demokrat mehr |
Die entscheidende Trennlinie ist das Grundgesetz Art. 20 & 21:
- Meinungsfreiheit gilt auch für extreme Positionen
Du darfst in Deutschland denken und sagen, dass du z.B. die EU abschaffen, Grenzen dicht machen oder das Wahlrecht ändern willst. Das ist durch Art. 5 GG gedeckt. Viele „extrem rechte“ Positionen sind als Meinung legal. - Demokrat sein heißt: Spielregeln akzeptieren
Demokrat bist du, wenn du akzeptierst, dass politische Ziele nur über Wahlen, Parlamente und Gerichte durchgesetzt werden. Dass auch deine Gegner Rechte haben. Dass du eine Abstimmung verlierst und dich trotzdem dran hältst. - Rechtsextremismus nach Verfassungsschutz-Definition
Der Verfassungsschutz nennt „rechtsextrem“, wer gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung kämpft. Also: Menschenwürde nur für bestimmte Gruppen, Führerprinzip statt Wahlen, Gewalt als Mittel. Das ist mit „Demokrat sein“ nicht vereinbar.
Drei praktische Fälle:
- Ja, möglich: Jemand wählt AfD, will Migration stark begrenzen, lehnt Genderpolitik ab, hält die Nationalhymne für heilig. Geht aber wählen, akzeptiert Gerichtsurteile, prügelt keine Journalisten. → Extrem rechts in Ansichten, aber Demokrat im Verhalten.
- Grauzone: Jemand sagt „Die Demokratie ist am Ende, wir brauchen einen starken Mann“. Solange er nur redet und nicht organisiert zum Umsturz aufruft, ist das noch legal. Demokrat ist er aber nicht mehr, weil er die Grundregel ablehnt.
- Nein, nicht möglich: Jemand plant Anschläge, will Wahllokale anzünden oder Abgeordnete bedrohen, damit seine „extrem rechte“ Politik durchkommt. → Rechtsextremist und Antidemokrat.
Der Knackpunkt:
In einer Demokratie darfst du fast alles denken und sagen. Du darfst auch Parteien wählen, die der Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextrem“ einstuft. Die Grenze ziehst du erst, wenn du die Demokratie selbst abschaffen willst oder Gewalt nutzt.
Meine, Deine, Unsere Demokratie
Vergleiche Demokratie und real existierende Demokratie der Bundesrepublik Deutschland.
Demokratie als Ideal vs. „real existierende Demokratie“ in der BRD
Die beiden Begriffe meinen das Gleiche, aber auf unterschiedlichen Ebenen: das eine ist die Idee, das andere die konkrete Umsetzung mit all ihren Kompromissen.
- Demokratie – das theoretische Ideal
- Kernidee: Herrschaft des Volkes. Alle Staatsgewalt geht vom Volk aus.
- Zentrale Merkmale nach klassischer Demokratietheorie:
| Merkmal | Idealvorstellung |
| Volkssouveränität | Jeder Bürger hat gleiches Gewicht bei Entscheidungen |
| Gleichheit | Gleiche Rechte, gleiche Chancen auf Teilhabe |
| Freiheit | Meinungs-, Presse-, Versammlungsfreiheit ohne Einschränkung |
| Gewaltenteilung | Legislative, Exekutive, Judikative kontrollieren sich effektiv |
| Rationaler Diskurs | Entscheidungen entstehen durch Argumente, nicht Macht/Geld |
| Gemeinwohl | Politik orientiert sich am Wohl aller, nicht an Partikularinteressen |
| Transparenz | Alle Prozesse sind nachvollziehbar, keine Hinterzimmer-Politik |
Das ist der Maßstab, an dem man reale Systeme misst. Er ist absichtlich „rein“, damit man Abweichungen erkennen kann.
- Real existierende Demokratie der BRD – Grundgesetz + Praxis
Die Bundesrepublik nennt sich „freiheitlich demokratische Grundordnung“ nach Art. 20 GG. So sieht die Umsetzung aus:
| Ideal | Umsetzung in der BRD | Reibungspunkte/Realität |
| Volkssouveränität | Repräsentative Demokratie: Volk wählt Bundestag, der regiert | Direkte Demokratie nur in Ländern/Kommunen, kaum auf Bundesebene. Volksentscheide gibt es nicht. |
| Gleichheit | Gleiches Wahlrecht: 1 Person = 1 Stimme | Faktische Ungleichheit durch: 5%-Hürde, Überhangmandate, Lobbyismus, soziale Selektion bei Kandidaten, Bildungsunterschiede |
| Freiheit | Grundrechte Art. 1-19 GG, sehr stark geschützt | Einschränkbar durch Gesetze: Versammlungsrecht, §130 StGB, Parteienverbot Art. 21 II. Abwägung Sicherheit vs. Freiheit |
| Gewaltenteilung | Bundestag, Bundesrat, Regierung, BVerfG | Parteien durchdringen alle Gewalten: Kanzler = Parteichef, Richter werden von Parteien gewählt, Fraktionsdisziplin |
| Rationaler Diskurs | Parlamentarische Debatten, Medienvielfalt | Medialisierung, Empörungslogik, Verkürzung in Social Media, Einfluss von Spin-Doktoren + PR-Agenturen |
| Gemeinwohl | Sozialstaatsprinzip Art. 20 I GG | Parteien vertreten auch Klientel. Koalitionsverträge = Kompromiss zwischen Interessengruppen |
| Transparenz | Informationsfreiheitsgesetz, Bundestagsdebatten öffentlich | Lobbyregister erst seit 2022, Nebeneinkünfte, Ausschüsse oft nichtöffentlich, Einfluss EU-Bürokratie schwer nachvollziehbar |
- Die 5 größten Unterschiede in der Praxis
- Repräsentation statt Identität
Ideal: Volk entscheidet selbst. BRD: Volk wählt Vertreter für 4 Jahre. Zwischen den Wahlen wenig direkte Mitsprache. Vorteil: Handlungsfähigkeit. Nachteil: „Politikverdrossenheit“, Gefühl von Ohnmacht. - Parteienstaat
Art. 21 GG: „Parteien wirken bei der politischen Willensbildung mit“. Real: Sie dominieren sie. Kandidatenaufstellung, Regierungspersonal, öffentlicher Diskurs läuft über Parteien. Robert Michels nannte das 1911 „Ehernes Gesetz der Oligarchie“: Auch demokratische Organisationen bilden Eliten. - Verfassungsstaat bremst Mehrheitswillen
Ideal: Mehrheit entscheidet alles. BRD: BVerfG + Ewigkeitsklausel Art. 79 III blockieren selbst 90%-Mehrheiten bei Grundrechten, Föderalismus, Menschenwürde. Das ist gewollt nach NS-Erfahrung. Man spricht von „wehrhafter“ oder „streitbarer Demokratie“. - Soziale und ökonomische Filter
Ideal: Jeder kann gleich teilhaben. Real: Bundestag 2021: 75% Akademiker, 0,3% Arbeiter, Durchschnittsalter 47. Wahlkampf kostet Geld. Medienaufmerksamkeit ungleich verteilt. Luhmann: Politik koppelt sich an Wirtschaft + Medien. - Mehrebenensystem
Ideal: Ein klarer Demos entscheidet. BRD-Realität: Kommunen, Länder, Bund, EU. Ein Gesetz durchläuft oft 4 Ebenen. Das verwässert Verantwortung: „Brüssel ist schuld“ oder „Die Länder blockieren“. Effektiv, aber intransparent.
- Warum die BRD trotzdem als Demokratie gilt
Politikwissenschaftler messen „real existierende Demokratien“ mit Indices wie V-Dem oder Freedom House. Die BRD punktet hoch bei:
- Freie, faire Wahlen ohne systematische Fälschung
- Rechtsstaat: Gerichte heben Regierungsgesetze auf, siehe Kruzifix-Urteil, Klimaschutzurteil
- Pluralismus: Opposition kann Regierung ablösen, siehe 1969, 1982, 1998, 2005, 2021
- Grundrechte: Opposition, Presse, NGOs können arbeiten
Das Ideal ist der Nordstern. Die real existierende Demokratie ist das Schiff, das versucht, darauf zuzuhalten, aber mit Wind, Strömung und Ladung kämpft.
- Kritische Begriffe, die du dazu kennen solltest
- Postdemokratie Colin Crouch: Wahlen ja, aber echte Entscheidungen fallen in Expertenzirkeln + Lobbygruppen
- Zuschauerdemokratie: Bürger konsumieren Politik wie Netflix statt teilzunehmen
- Defekte Demokratie Merkel/Croissant: Wenn ein Teilbereich wie Gewaltenteilung nicht voll funktioniert
Kurzfassung:
Demokratie will Herrschaft des Volkes. Die real existierende BRD-Demokratie ist Herrschaft durch vom Volk gewählte Eliten, begrenzt durch Verfassung, eingebettet in Kapitalismus + EU, korrigiert durch Gerichte + Medien + Wahlen. Funktioniert besser als die meisten Alternativen, bleibt aber hinter dem Ideal zurück. Und das ist im System so angelegt.
Rücktritt des Ministerpräsidenten
Fazit
Die Aussage „Woidke hat Brandenburg in enorme Schulden getrieben“ lässt sich politisch vertreten, weil die Verschuldung zuletzt stark gestiegen ist und der Rechnungshof erhebliche Kritik übt.
Ebenso wäre es aber verkürzt zu behaupten, die gesamte heutige Schuldenlast sei allein auf Woidke zurückzuführen. Ein Teil der Verschuldung bestand bereits vorher, und die jüngsten Defizite stehen auch im Zusammenhang mit bundesweiten Krisen, steigenden Ausgaben und schwächeren Einnahmen.
Wie ist das mit Brandenburgs Schulden in Verbindung mit dem Bau des BER? Wer trägt dafür die Verantwortung?
Die kurze Antwort lautet: Die Verantwortung für die BER-Kostenexplosion liegt nicht allein bei Brandenburg oder Dietmar Woidke. Sie verteilt sich auf mehrere Regierungen, Aufsichtsgremien und die Eigentümer des Projekts.
Wer hat den BER überhaupt gebaut?
Betreiber und Bauherr war die Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB). Eigentümer der FBB sind:
- das Land Berlin (37 %),
- das Land Brandenburg (37 %),
- die Bundesrepublik Deutschland (26 %).
Das bedeutet: Wenn zusätzliches Geld benötigt wurde, mussten Berlin, Brandenburg und der Bund entsprechend ihrer Anteile einspringen.
Wie stark belastete der BER Brandenburg?
Brandenburg musste mehrfach Kapital und Darlehen bereitstellen. Allein 2015 richtete das Land einen speziellen Finanzierungsfonds ein. Damals sollte Brandenburg für einen Finanzierungsbedarf von 1,1 Milliarden Euro rund 409 Millionen Euro entsprechend seinem 37%-Anteil beitragen.
Später kamen weitere Finanzierungsrunden hinzu. Auch nach der Eröffnung des BER erklärten Berlin, Brandenburg und der Bund, bei Bedarf weiter für die Flughafengesellschaft einzustehen.
Trägt Woidke die Verantwortung?
Das hängt davon ab, welche Art von Verantwortung man meint.
Politische Mitverantwortung:
- Dietmar Woidke ist seit 2013 Ministerpräsident von Brandenburg.
- Während eines erheblichen Teils der Bauverzögerungen und Nachfinanzierungen war er Regierungschef.
- Als Vertreter eines Eigentümers des BER trägt er deshalb politische Mitverantwortung für Entscheidungen seiner Regierungszeit.
Aber:
- Die wesentlichen Fehlentscheidungen, die den BER zum Milliardenprojekt machten, begannen lange vor Woidkes Amtsantritt.
- Der BER wurde bereits in den 1990er- und frühen 2000er-Jahren geplant.
- Der ursprüngliche Eröffnungstermin war 2011, also bevor Woidke Ministerpräsident wurde.
- Die spektakulären Bau- und Planungsfehler (Brandschutz, technische Mängel, chaotische Projektsteuerung) entstanden überwiegend unter früheren Verantwortlichen in Berlin, Brandenburg und der Flughafengesellschaft.
Wer wird am häufigsten für das BER-Debakel verantwortlich gemacht?
In Untersuchungen und Medienberichten wurden vor allem genannt:
- die damaligen Aufsichtsräte der FBB,
- mehrere Berliner und Brandenburger Landesregierungen unterschiedlicher Parteien,
- das Management der Flughafengesellschaft,
- externe Planer, Bauunternehmen und Projektsteuerer.
Es gab also keinen einzelnen Verantwortlichen. Das BER-Debakel gilt als Beispiel für ein kollektives Staats- und Projektmanagementversagen über viele Jahre hinweg.
Zusammenhang mit Brandenburgs heutigen Schulden
Hier wird es politisch interessant:
Der BER hat Brandenburg zweifellos Hunderte Millionen Euro gekostet und die Haushalte belastet. Allerdings erklärt der BER nicht den größten Teil der heutigen Landesverschuldung. Die aktuellen Schuldenstände Brandenburgs werden stärker durch allgemeine Haushaltsdefizite, steigende Sozialausgaben, Investitionen, Tarifsteigerungen, Corona-Folgen und andere Faktoren beeinflusst. Der BER ist ein Baustein, aber nicht die Hauptursache der heutigen Finanzlage.
Man kann also durchaus argumentieren, dass Woidke politische Verantwortung für BER-Nachfinanzierungen trägt. Die Aussage, er habe die BER-Milliarden allein verursacht oder sei allein für Brandenburgs heutige Schulden verantwortlich, wird durch die historische Entwicklung des Projekts jedoch nicht gestützt.