Es ist – wieder einmal – die Zeit der Wahrsager und Seher, der selbst ernannten bzw. dazu von den Medien auserkorenen Spezialisten. Ihr Thema: die Ergebnisse der Wahlen in Sachsen-Anhalt vom 6. September 2026 und die sich daraus ergebenden Möglichkeiten für die künftige politische Entwicklung in dem Bundesland. Es wird viel spekuliert, dem Wahlsieger – der AfD insbesondere ihrem Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund –  unterstellt oder einfach nach unten geschrieben bzw. geredet.

Mit fast 44 Prozent hat die AfD in Sachsen-Anhalt die Landtagswahl gewonnen. Die Wahlbeteiligung war die zweitbeste in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland für eine Landtagswahl. Das vom Spitzenkandidaten öffentlich erklärte Ziel von mindestens 50 Prozent, um sicher regieren zu können, wurde nicht erreicht. Ein solches Ziel aufzustellen, war für den Wahlkampf richtig. Bezogen auf die aktuelle gesellschaftliche Situation jedoch unrealistisch. Es gibt keinen Grund, damit zu hadern oder daran zu verzweifeln.
Das Ergebnis ist so, und damit muss gearbeitet werden.

Die Gesellschaft in Deutschland ist gespalten, so auch in Sachsen-Anhalt.
Der Wunsch nach Veränderungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft beschränkt sich nicht mehr auf von Intellektuellen verfasste Beiträge. Er ist vergleichbar mit dem Aufbäumen des deutschen Volkes gegen seine Leistungskraft behindernde Fesseln und es in die Spur zwingende Kandaren zwischen 1813 und 1848. 35 Jahre bedurfte es, um sich mutig an einer gesellschaftlichen Umwälzung zu beteiligen. Als Revolution wurde sie nachträglich in die Geschichtsbücher eingetragen.

Aktuell sind 36 Jahre vergangen, seit sich die Bundesrepublik Deutschland den Ostteil Deutschlands – die DDR – einverleibt hat. Und wieder begehren die Menschen gegen Fesseln und Kandaren auf. Gegen eine Kaste von Politikern, die sich als Monarchen fühlen. Gegen eine Politik, die den Souverän mit Steuern niederhält und ihn ohnmächtig zusehen lässt, wie mit den von ihm eingezahlten Steuergeldern umgegangen wird. Kriege werden finanziert. Geldgeschenke in der Welt verteilt, ohne dass den Deutschlands Steuerzahler davon einen Nutzen hätten. …

Es reicht!

Auf diese zwei Worte lässt sich der Wählerwille reduzieren, von dem vor allem AfD profitierte, aber auch das BSW. Beide Fraktionen kommen im neuen Landtag von Sachsen-Anhalt auf über 50 Prozent. Damit lässt sich im Sinne des Wählerwillens Politik machen. Wenn da nicht die Befindlichkeiten wären und die Öffentlichkeit.

Das BSW ziert sich, wie eine Jungfer vor dem ersten Tanz. Mal macht sie dem Tanzpartner Offerten, dann zieht sie sich wieder in die Ecke zurück. „Mal sehen, was kommt.“

Ulrich Siegmund hat keinen Grund dem BSW hinterherzulaufen. Seine Gesprächspartner im Landtag könnten zwar die aktuelle politische Situation realistische einschätzen, und daraus die entsprechenden Schlussfolgerungen ziehen. Aber das letzte Wort behält sich die Parteispitze in Berlin vor, vor allem Sahra Wagenknecht. Und deren Stimmungsschwankungen sind schwer einzuschätzen. Aber eines ist klar: Sie giert nach Aufmerksamkeit und Erfolg.

Sollte man ihr nicht beides geben?

Wie wäre es zum Beispiel mit einer Landesregierung in Sachsen-Anhalt, mit Ulrich Siegmund als Ministerpräsident und Frau Wagenknecht als Vizeministerpräsidentin? Sie selbst fordert ja immer, anstatt Ulrich einen parteilosen, unabhängigen Ministerpräsidenten zu wählen, der Sachpolitik betreiben soll. Also, warum nicht selbst den Thron besteigen?

Ulrich Siegmund wird es vermutlich schaudern, wenn er an eine solche Konstellation denkt. Aber die einzige Alternative, die er dann noch hat, ist selbst zu regieren. Und das sollte er tun! Seine Wähler und alle, die Veränderungen im Land wollen, würden ihm einen solchen Schritt hoch anrechnen. Auch wenn ein mögliches Scheitern von Anfang an absehbar ist.

Ulrich Siegmund sollte sich mit dem einstigen österreichischen Bundeskanzler, Sebastian Kurz, beraten. Trotz der absehbaren Gefahr des Scheiterns und trotz aller ihm entgegen gebrachten Häme, vor allem von deutschen Medien, ergriff er die Chance, dem österreichischen Volk zu beweisen, was ohne die Altherrenriege möglich wäre. Die dabei gesammelten Erfahrungen dürfen nicht unterschätzt werden. Es sind Erfahrungen, wie eine Gesellschaft mit demokratischen Mitteln und auf friedliche Weise verändert werden könnte.

Folgende Entwicklung wäre in der nächsten Zeit in Sachsen-Anhalt möglich:

  1. Ulrich Siegmund und sein Team führen Gespräche mit allen im künftigen Landtag vertretenen Parteien. Es muss dabei nicht um das komplette Regierungsprogramm gehen. Aber um grundlegende Politikthemen, wie Finanzen, Bildung, Wirtschaft und Sicherheit.
    Sind die Oppositionsparteien bereit, die Themen mitzutragen oder sperren sie sich grundsätzlich gegen jegliche Mitgestaltung?
    Die Ergebnisse der Gespräche sollten möglichst schnell in die Öffentlichkeit getragen werden, damit diese sich ein Bild machen kann. Denkbar wäre ein Verfahren, wie am Runden Tisch Anfang der 1990er Jahre. Alle Fragen werden öffentlich behandelt und die Menschen können die Diskussionen live mitverfolgen.
  2. Die Oppositionsparteien lehnen jegliche Mitarbeit mit einer von Ulrich Siegmund geführten Regierung ab.
    In diesem Fall sollte er sich dennoch der Wahl als Ministerpräsident stellen und mit einer aus unverdächtigen Fachministern bestehenden Regierung aufwarten. Sie können aus der Partei kommen oder aus gesellschaftlich bedeutsamen Bereichen und mit Berührungspunkten zu einzelnen Oppositionsparteien. Der Schwerpunkt sollte auf Fachministern mit CDU-Vergangenheit oder -Nähe liegen oder aus der nicht mehr im Landtag vertretenen FDP.
    Am Wahlverhalten, das in namentlicher Abstimmung erfolgen sollte, wird sich zeigen, wem das Wohl des Landes und das seiner Menschen ein Bedürfnis ist.
  3. Eine von Ulrich Siegmund geführte Regierung sollte schnell Beschlussanträge in den Landtag einbringen, die inhaltlich von den Menschen in Sachsen-Anhalt mitgetragen werden. Dabei sollte man keine Rücksicht nehmen auf die Medien und deren Reaktionen wie auch nicht auf die Äußerungen aus der Bundespolitik.
    Es geht um Sachsen-Anhalt. Und nicht um die Bundesrepublik Deutschland!
    Wollen die Menschen in anderen Bundesländern konkrete und schnelle Veränderungen, dann müssen sie sich von den politischen Kräften emanzpieren, die dies verhindern. Und entsprechend wählen!
  4. Sämtliche Abläufe im Landtag müssen öffentlich nachvollziehbar sein und erklärt werden. Die Menschen müssen mit eigenen Augen sehen können, wie sich die „Volksvertreter“ der anderen Parteien verhalten. Wer Veränderungen nur aus Prinzip verhindert, muss abgewählt werden. Wird der Widerstand gegen von der Regierung angestrebte Veränderungen zu groß und wird die weitere Entwicklung des Landes massiv behindert, muss die Regierung zurücktreten, der Landtag wird aufgelöst und es gibt Neuwahlen.

Werden die vorstehend aufgeführten Abläufe transparent behandelt und die Gegner der Veränderungen klar herausgestellt, wird sich das Wahlvolk entsprechend artikulieren.

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